Spreading to the World: Causa Assange, die Schweiz und Twitter

Eine Randnotiz zum großen Geschehen um den Wikileaks-Kopf Julian Assange.

Montag, 6.12. – es ist der Nikolaustag, man erwartet Geschenke und weniger die Krampus-Rutenbündel der letzten Tage, und tatsächlich macht am Vormittag via Twitter die freudige Nachricht die Runde, dass meine Wahlheimat, die Schweiz, sowohl Wikileaks weiterhin hosten wird auf einem intranationalen Serververbund bei SWITCH als auch das Spendenkonto von Herrn Assange bei der Postfinance, der schweizerischen Postbank, weiterhin bestehen bleibt.

So weit, so gut, so ein paar Retweets (RT) – meiner kam um 14:26. Doch um 15:23 Uhr beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen:

  • 15:23 Auf der NZZ-Homepage erscheint im Ticker eine Kurzmeldung, dass unbestätigten, aber sicheren Quellen zufolge das Spendenkonto bei Postfinance gelöscht werde (später erweitert und im Original nicht mehr auffindbar).
  • 15:26 Der RSS-Newsbot mit Schweizer Inhalten @swissbusiness twittert automatisiert die NZZ-Meldung „Postfinance kündigt Wikileaks http://dlvr.it/9qs7H“.
  • 15:29 Uhr Ich selbst lese die NZZ im Abo – und seit dem Relaunch der Website auch wieder online – und tweete diese unerfreuliche Nachricht mit dem Verweis auf die Quelle sowie den neuerdings persönlich betreuten NZZ-Twitteraccount @nzz.
  • 15:29, 15:33, 15:35, 15:37, 15:41, 15:15 In Folge kommen einige RT bzw. kommentierte RT, u.a. von @politikfragen (15:29), @bloggingtom (15:33), @dominik (15:35), @PhotoCrusher (15:37), @zurichlive (15:41), @stefan (15:15)
  • 16:17 Auf der Homepage der NZZ erscheint ein erweiterter Bericht samt Quellenangaben und der redaktionell bearbeiteten Nachricht.
    Auf dieser Seite wurde auch der Link zur PR-Mitteilung der Postfinance angegeben. Dortselbst ist nicht ersichtlich, zu welchem Zeitpunkt die Mitteilung veröffentlicht wurde.
  • 16:18 @nzz twittert zum ersten Mal selbst das Ereignis, allerdings unkommentiert.
  • 16:21 Dass sich die Nachricht schnell verbreitet, belegt ein Bericht auf derStandard.at, getwittert von @webstandardat „Schweizer Post schließt Wikileaks-Spendenkonto“

To sum up

Was ist auf (einer Meta-Ebene) geschehen: Schlicht hat das Social Medium Twitter in seiner Funktion als News-Feed einen weiteren der mittlerweile unzähligen Nachweise darüber geliefert, dass echte Information schneeballartig verbreitet wird. Durch meinen Tweet der NZZ-Meldung mit brisantem, relevantem und aktuellem Content (der Jagd auf Wikileaks und nach ihrem Kopf Assange), und dessen RT durch sowohl Österreicher als auch Schweizer aus meiner Timeline sowie auch Fachaccounts wurde an weiteren, publizistisch wirksamen Stellen Sensibilität erweckt.

Doch ganz so einfach ist es nicht: Der Schneeballeffekt braucht seine Voraussetzungen: Schnee (Causa Wikileaks) und Personen, die ihn formen (Quellen); der Verbreitungseffekt, wenn er ins Rollen kommt, hängt aber stark von der Prominenz, imho der schieren Anzahl an Followern, sowie der Credability und Authentizität (letzter für hier nur von nachgeordneter Bedeutung) des Twitteraccounts ab. Und ob Follower (keine Bots) etwas retweeten, hängt erneut von vielerlei kleinen Faktoren und Details (Interessenlage, Themenverständnis, Lust auf RT, Beteiligung an aktuellen Debatten usw.) ab.

spoken in terms of public relations – twitter for the win!

Hofrat
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