„… ein Blogger …“ – Ein Jouraillienpreis für ein Plagiat?

Kurz die Fakten: Ein 31-jähriger erhält einen „Nachwuchspreis des Zürcher Journalistenverbandes“ für eine Story, die er zwar wunderbar erzählt, aber schlicht von anderen ohne entsprechende Quellenangabe abgekupfert hat.

Der Tamedia-Newsnetz-Tagi-Lohnschreiberling Maurice Thiriet bekommt Geld und Ehre für etwas, das ihm so nicht zusteht – weder als Aufdecker noch als Journalist. Er hat weder etwas aufgedeckt – nein, das war Patrick Tschudin via Infamy-Blog, und er hat auch journalistisch versagt, er hat schlicht Plagiat betrieben: sich geistiges Eigentum anderer angeeignet.

Dass ein derartiges Vorgehen nun jouraillischtisch (!) bepreist wird und der Jury-Vorsitzende sogar noch bekräftigt, dass „wenn es um den Sachverhalt geht, ist Faktentreue geboten statt Imagination. Journalismus vermittelt Wirklichkeit. Daraus beziehen wir Journalisten unsere ganze Glaubwürdigkeit“, dann hat sowohl die Jury, oben genannter Nachwuchspreis wie auch die Zunft im Allgemeinen schlicht verloren – denn hier wurde ein Plagiat ausgezeichnet.

Zu Guttenberg’schen Zeiten herrschte helle Aufregung, im Lauf der gewikiplagten Zeiten traf es die Stoibertochter und eine Vizepräsidentin im europäischen Parlament, bis ein EU-Kommissar gehen muss, wir (hoffentlich) nicht mehr allzu viel Wasser auf die Mühlen der EU-Bürokratie fließen müssen. Heute aber bezeichnet ein andere Medienmacher diese Ungeheuerlichkeit als „Bitchfight“ und verniedlichen diesen brutalen Tatbestand.

Diebstahl geistigen Eigentums ist für Geistesarbeiter mehr als nur ein einfaches Vergehen am Recht – es ist das Kapitalverbrechen schlechthin.

Verlauf der Story, Quellen und weitere Beiträge:

  • 29.1.2010, Infamy-Blog: „Abt. Richtigstellung – heute: Barbara Burtscher“
  • 17.8.2010, Infamy-Blog: „Abt. Aufklärungsjournalismus“
  • 25.5.2011, persoenlich.com: „Zürcher Journalistenpreis. Nachwuchspreis für „Tagi“-Redaktor. Ehrverletzungsklage hängig.“
  • 25.5.2011, Infamy-Blog:  „Abt. Journalistische Glaubwürdigkeit“
  • 25.5.2011, Tweet @mbinswanger: „Der Gerechtikgeit halber bleibt festzuhalten: @infamyblog hätte den Zürcher Journipreis eigentlich verdient. http://bit.ly/jX5iQs“
  • 25.5.2011 (inkl. Updates), Thomas Benkö: „Abt. Bitchfight – Heute: Infamy vs. Thiriet #journipreis“
  • 26.5.2011, Philippe Welti: „„Gute Geschichten sind wie gute Frauen”…“
  • 26.5.2011, Journalistenschredder: „Infamously Famous: Maurice Thiriet“
  • 27.5.2011, Ronnie Grob: „Fast alle beleidigt“
  • 28.5.2011, Nick Lüthi: „Zum Dank ins Gesicht gespuckt“

Update 29.5.2011

Für Thiriet besteht meines Erachtens nur noch eine Lösung: So schnell als möglich den Preis zurückzugeben, sich bei Patrick Tschudin öffentlich zu entschuldigen und darauf zu hoffen, dass die anderen Medien der Schweiz, insbesondere die NZZ, die Story nicht weiter aufgreifen. Beschädigt ist sein Ruf als Journalist bereits jetzt nachhaltig…

Hofrat
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