Politische Praktikanten

Die FDP, die Liberalen in der Schweiz, haben nicht allzu viel mit ihren deutschen und schier nichts mit ihren Namenskollegen in Deutschland und Österreich gemein. Nunja, liberale Politik (hier die Wiki-Definition: „Leitziel des Liberalismus ist die Freiheit des Individuums vornehmlich gegenüber staatlicher Gewalt.“) ist per se interessant, da sie wohl wie keine andere Form die gesellschaftliche Entwicklung der Individualisierung abbildet. Seis drum: Sowohl in der Schweiz verliert die FDP seit Jahren an Stimmen, die so genannte „liberale Mitte“ ist wenig gefragt und reibt sich gemeinsam mit der anderen Mittepartei, der CVP, in den Kontrapositionen zwischen SP und SVP langsam aber stetig auf. Über die deutsche FDP schweige ich besser – wenn die ZEIT berichtet, dass die Bevölkerung 0 % Vertrauen in diese Partei hat, Probleme zu lösen…

FDP Stelleninserat
Praktikant oder Professional

Und dann das: Ein Stelleninserat. Manche würden sagen, zielgruppengerecht via Facebook placiert, aber was eigentlich dahinter steckt, liegt mir seit dem schwer im Magen. Da sucht also eine politische Partei mit freiheitlich-liberaler Grundausrichtung doch tatsächlich „zwei Praktikanten für Kampagnen und Kommunikation“. Nein, ich störe mich nicht an der nicht-gegenderten Ausschreibung, auch nicht daran, dass gleich ein Doppelpack für die für eine Partei wohl lebenswichtigen Bereiche gesucht wird.

Aber meint man in der Zentrale tatsächlich, dass man u.a. die folgenden Aufgaben einfach mal zwei PRAKTIKANTEN überlassen kann? Quote Ausschreibungstext:

  • Mitarbeit bei den eidg. Abstimmungskampagnen für März, Juni und September 2012
  • Konzeption und Erstellung verschiedenster Kampagneninstrumente
  • Koordination der Partnerorganisationen für ein überparteiliches Abstimmungskomitee
  • Entwerfen und Redigieren von Medienmitteilungen, Stellungnahmen, Bürgeranfragen etc.
  • Unterstützung der allg. Arbeit im Bereich Kampagnen / Kommunikation
  • Selbstständige Rechercheaufgaben

Nicht im Ernst, oder? Und genau diese Frage stellte ich auch: „Vielleicht solltet ihr [die FDP] statt Praktikanten doch lieber Profis in Kampagne und Kommunikation suchen?“. Und allein an den mittlerweile 12 Likes wird deutlich, dass ich nicht allein so denke. Der restliche Response hielt sich in überschaubarem Umfang. Das Unwesen, die wirklich wichtigen Jobs billig zu absolvieren, die Drecksaufgaben den willigen Studenten und Praktikaten zu geben, die Rampensäue spielen lassen, während man selbst im VIP-Bereich am Cüppli nippt. Nein, das hab ich zu oft gesehen, die Generation Praktikum (Tagesanzeiger, April 2011) muss aufhören. Zu viele gute Talente lassen sich gutgläubig und mutwillig verbrennen. Und wenn man wirklich in diesen beiden nicht gerade unwichtigen Bereichen reüssieren will, nimmt man doch ehrlicherweise wirklich Profis. Die politischen Mitbewerber von links und rechts zeigen es vor…

Und die FDP? Was hätte ich mir als Community Manager, Social Media Typ und so, erwartet? Wenn schon jemand mit einem ernsthaften Anliegen auf meiner Facebook-Page kommentiert, hat er sich wohl mehr den Kopf über mich zerbrochen als ein dumpfes Like von irgendeinem x-beliebigen Mit- und Nachläufer. Nein. Nichts kommt. Keine Reaktion. Stattdessen gibt man sich mit einer plumpen Antwort auf eine ebenso plumpe Anfrage nach Politiklosigkeit zufrieden.

Liberal? Freiheitlich? Hat man bei der FDP nicht begriffen. Ausnutzer wie alle anderen. Pereat, und das noch selbstgewählt…

Hofrat
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