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Sind die Lehrer, die Gewerkschafter oder die Medien das Problem?

Quelle: akg-images, London, 2-G50-A7-1889-1-B. www.akg-images.co.uk

Quelle: akg-images, London, 2-G50-A7-1889-1-B.
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Und mal wieder waren die Fronten klar in Österreich: Die Lehrergewerkschafter sind die Bösen, die Betonschädeln, die Vertreter ihrer angeblich wohlerworbenen Rechte, die Faulenzer und Owezahrer, die Verhinderer und Zerstörer.

Nicht, dass ich grosse Sympathien für die Form der Gewerkschaftsbewegung hege, wie sie in Österreich verhindert und nur mehr für ihre eigenen Kader sorgt, ja nicht mal die Mitglieder profitieren besonders, und die Vertreter der Lehrer haben sich besonders hervorgetan im Bewahren und Verhindern.

Doch was sich die Medienmeute dazu erlaubt, ist mindestens gleich schädlich: Mir gehts hier nicht um eine übliche Medienschelte, sondern um richtige Prügel. Deftig und hart, rohe Gewalt. Denn sie sind schon lange keine Vierte Macht im Staat, objektiv und prüfend, Qualitätsjournalisten und fachkompetent, es geht allein um die Boulevardisierung, die kleine Schlagzeile, die letzte Neuigkeit. Getrieben von dieser Hitze bleibt für Meinung, Diskussion, Auseinadersetzung und Prüfung keine Zeit mehr.

Dass dabei die Lehrer selbst auf der Strecke bleiben, hat Lisa Nimmervoll im Standard gut auf den Punkt gebracht:

Eine Gesellschaft, die “ihre” Lehrer wie Gegner behandelt, tut sich nichts Gutes.

An dieser Stelle lasse ich eine Facebook-Bekanntschaft zu Wort kommen: Deutlicher und eindeutiger kann die jetzige Situation nicht mehr beschrieben werden – Gewerkschaft hin, Medien her. Es geht um den Nachwuchs und die Bildung unserer Gesellschaft:

Betreff: KÜNDIGUNG

Ich kündige zum nächstmöglichen Termin mein langjähriges Abonnement der Kleinen Zeitung.

Ich bin Lehrerin. Seit mittlerweile acht Jahren. Mit Leib und Seele. Jedes einzelne Kind und meine Arbeit mit ihnen liegen mir am Herzen.

Aber ich bin es leid. Leid, mich in der Öffentlichkeit verteidigen zu müssen. Leid, zusehen zu müssen, wie es über die vergangenen Jahre durch eine einseitige Berichterstattung in den Medien gelungen ist, meinen Berufstand zu stigmatisieren, Vorurteile zu schüren.

Thomas Götz schreibt in seinem Leitartikel vom 19.11.2013, dass es der Gewerkschaft nicht gelungen ist, ihr Anliegen breiten Schichten verständlich zu machen. Kann auch nicht. Nicht, wenn in den Medien über Jahre ein Lehrerklischee aufgebaut wird, das unserem Beruf nachhaltig schadet. So wie es u.a. in Ihrer Zeitung passiert.

Die Lehrerarbeitszeit wird nicht nur in Ihrem Blatt auf die Unterrichtszeit reduziert. Kein Wort darüber, dass Schülerberatungsstunden, Elterngespräche, Korrekturzeiten, Klassenvorstandsarbeiten, die Zusammenstellung von Unterlagen (aufgrund der Sparmaßnahmen gibt es in einigen Fächern keine Schulbücher mehr), Supplierungen, Skikurse und Auslandsreisenkoordination, etc einen wesentlichen Bestandteil unserer Arbeit ausmachen.

Und dann diese Ferien. Eh nur 50% arbeiten und dann auch noch so viel an Freizeit. Dass das Lehrergehalt diesem Umstand im wahrsten Sinne Rechnung trägt, bleibt in der ewigen Diskussion ebenso unerwähnt.

Ich verdiene heute so viel, wie vor 10 Jahren als Vertriebsassistentin in einem großen internationalen Unternehmen in Graz. Für diesen Job hätte ich kein Studium gebraucht. Mein Gehalt ist verglichen mit anderen Akademikergehältern niedrig. Der Grund liegt darin, dass ich nur für jene Stunden bezahlt werde, die ich auch tatsächlich halte. In Maturajahren entsprechend weniger. Die gehaltenen Stunden werden in einen Topf geworfen, und durch die 12 Monate dividiert, damit ich im Sommer nicht in ein Loch falle.

Im Vergleich zu meinen bisherigen Jobs in Gastronomie, Verkauf, Sekretariat, Dolmetsch und Projektmanagement bei Partyserviveanbietern, Geschenkboutiquen, Messen, Unternehmen, Europarat ist dieser Job im Vergleich keiner, bei dem man sein Geld zu Unrecht oder zu leicht verdient. Dafür hingegen einer, bei dem man für jede einzelne Arbeitsutensilie, und sei es nur ein Bleistift, selbst in die Tasche greifen muss. Aber auch ein wunderschöner, wenn man junge Menschen dabei begleiten darf, wie sie zu erwachsenen Persönlichkeiten heranreifen.

Ich bin es leid als Mutter. Das neue Lehrerdienstrecht sieht nicht nur eine verkürzte Ausbildung vor, sondern auch, dass, egal welches Fach studiert wird, der künftig Lehrende in jedem einsatzfähig sein soll. Weil man als Akademiker ja locker den Schulstoff, egal welcher Materie, verstehen kann.

Erinnern Sie sich zurück an Ihre Schulzeit. Fragen Sie Ihre Kinder, bei welchen Lehrern sie gerne lernen. Es sind jene Lehrer, die motiviert sind. Jene, die Antwort auf ihre Fragen geben können, auch wenn sie weiter greifen, als das Schulbuch reicht. Jene, die sich auch außerhalb des Schulbuchs mit ihrem Fach auseinandersetzen. Die es leben und lebendig machen. Jene, die es wagen, Experimente durchzuführen, die Geschichte erzählen, als wären sie selbst dabei gewesen, die einen in der Fremdsprache auch gleich ins Land entführen, die mit Ihrem Faible für Bücher Lesemuffel zu Leseratten verwandeln , die in ihrer Freizeit mit ihren Klassen das Lampenfieber für die Bühne entfachen, werdenden Künstlern die Welt der Farben und Materialien eröffnen, andere zur Bewegung anspornen.

Je unattraktiver der Beruf wird, je mehr er demontiert wird, desto weniger qualifizierte Menschen wird es geben, die idealistisch und blauäugig genug sind, sich diesen Arbeitsbedingungen und dieser gesellschaftlichen Verbrennung zu stellen. In einigen Fächern ist der Mangel heute schon eklatant. Durch die nahenden Pensionierungen in den nächsten Jahren wird dieser größer werden. Dienstgeber werden nicht mehr aus dem Vollen schöpfen können. Aus diesem Gesichtspunkt ist es nur praktisch, den Deutschlehrer auch Biologie unterrichten zu lassen und die Mathelehrerin gleich Englisch dazu. Ihnen ein, zwei Klassen mehr anzuvertrauen. 50 zusätzlich zu betreuende Schüler fallen ja kaum ins Gewicht.

Die Notwendigkeit, den Beruf trotz aller gesellschaftlichen Veränderungen wieder attraktiv zu machen, den Besten der Besten die Ausbildung unserer Kinder anzuvertrauen, wird nicht nur nicht erkannt, sondern von den Verantwortlichen völlig außer Acht gelassen.

Eine Freundin, selbst Sprachenlehrerin, sollte eine Musikklasse übernehmen. Ihr Einwand, sie vermöge es nicht, vor einer Klasse zu singen, weil sie keinen einzigen Ton richtig treffe und auch kein Instrument spiele, wurde weggewischt. Sie solle doch jene Kinder in Referaten unterrichten lassen, die in einem Musikverein spielen. Das sind dann die Spezialisten. Mit viel Glück auch noch fachdidaktisch geschult. Und pädagogisch. Und wenn nicht? Für die Fachkraft, die ja inhaltlich keine ist, jedenfalls nicht erkennbar. In diese Richtung geht die Ausbildung unserer Kinder.

Und die die aufschreien, werden als unwillige, präpotente Tachinierer hingestellt.

Ihr Blatt stimmt immer wieder gerne in dieses populistische Geplärre und Geraune unreflektiert ein. Profunder, hochqualitativer Journalismus sieht anders aus.

Bitte um Zusendung einer Kündigungsbestätigung. Mit freundlichen Grüßen

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