Die Schweizermacher reloaded, anno 2014

Schweizermacher

Schweizermacher3. November 1978: In die Kinos der Deutschschweiz kommt ein Film mit dem Namen “Die Schweizermacher”. Er gilt bis heute als der erfolgreichste Schweizer Film seit Beginn der statistischen Erfassung: Damals waren fast 950.000 Zuschauer vor den Leinwänden und die Schweiz hatte rund 6.5 Millionen Einwohner.

9. Februar 2014: 36 Jahre später hat die so genannte “Willensnation” Schweiz mehr als  8.1 Millionen Einwohner, von denen 1.9 Millionen oder 24 Prozent kein Schweizer Bürgerrecht besitzen. Man nennt sie Ausländern. Und hat sich entschieden, ihrem Masseneinwandern einen Riegel vorzuschieben.

Seit einer Woche ist viel geschehen: Bei mir persönlich, in der medialen wie politischen Schweiz und wohl auch in einigen Köpfen derjenigen, die entweder gar nicht oder der Initiative zugestimmt haben. Denn so einfach sind die Dinge ja doch nicht. Die wahren Schweizer haben den nicht so wahren Schweizer im Blutrausch des Triumphs ihre Meinung gegeigt, die Feiglinge in Politik und Wirtschaft suchen Schuld und Verantwortung überall, nur nicht bei sich. In Europa fühlen sich die Nationalisten aller Herren Länder vereinigt und stossen nach. Der Denkzettel wird wohl bei den Wahlen zum Europaparlament im Mai 2014 ausgefüllt werden. Dass die einen gut Porzellan zerschlagen können, haben sie ein weiteres Mal bewiesen – ihnen sei gesagt: Man sieht die Klebespuren, nach jedem Bruch halten die zerbrochenen Teile schlechter.

Und wer wie ich zwar Einwohner ohne Bürgerrecht (“Ausländer”, keinesfalls etwa “Gast” oder “Sainsonnier” oder “Grenzgänger” oder “Aufenthalter”) ist und sich trotzdem dazu versteigt, eine laute und deutliche Stimme zu erheben (Blogpost: Das Herrenvolk – Über eine insel der Unseligen), muss mit den Reaktionen leben: Hier (Blogkommentare), hier (Facebook-Kommentare 1), hier (Facebook-Kommentare 2), hier (Facebook-Kommentare 3) und hier (Antworten auf Twitter) nachzulesen – aber Achtung: So manch einer mag sich danach fragen, ob ich nicht doch eher ein <ironie> Jüdisch-Arabischer-Schwulen-Neger mit -ic im Nachnamen anno der 1940er Jahre in Warschau oder ein paar Jahrzehnte später in Südafrika </ironie> (you name it – und um es ohne Zynismus zu sagen: Keine Randgruppe war letzte Woche nicht scheltenswert genug, um ihre Versäumnisse nicht auf auf die Tatsache des Ausländerseins zurückzuführen) sein mag, was sich hier an Aggressivität in aller Deutlichkeit und mit Klarnamen gesammelt hat.

En bref: Leute, das halte ich locker aus. Und ja, ich werde weiterhin NICHT schweigen und trotz fehlender Legitimation an der Wahlurne mich als integrationswilliger und konstruktiver, gestalterischer Bürger zeigen. Ich stehe zur Verfügung! Und das ist die wichtigere Botschaft: Liebe “andere Hälfte”: DANKE!

Was sich 1978 als Satire auf die Schwarzenbach-Initiativen im Kino zum Schmunzeln oder zum Einfrieren des Lächelns zeigte, ist heute aktueller denn je. Wenn Vertreter der international-elitären Wirtschaftskaste kein Wort einer der offiziellen Landessprachen sprechen muss, um trotzdem wichtigster Bankchef zu sein, wenn es jetzt weniger um die -ic als mehr um die Ossis und Ostblock-EU-Bürger-Spargelpflücker-Bauarbeiter geht, wenn die indischen IT-Bigheads natürlich willkommen sind, aber nur auf Zeit und selbstverständlich ohne Familie, wenn die Prostituierten als Touristinnen einreisen und die Polizei bisweilen auch mal mitmacht statt nicht nur wegschaut ,ist es hoch an der Zeit, sich diesen Film wieder einmal anzusehen – gern hier auf dem Blog bzw. via Youtube-Playlist.

Viel, erm, Spass, erm.

Ein Dank geht an dieser Stelle an meinen Vater, der mir vor knapp 20 Jahren auf unserem schwarz-weiss TV zuhause in Stattegg auf einer mehrfach kopierten VHS-Videokassette diesen Film gezeigt hat. Sensibilisierung auf Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und ein offenes Herz und selbst-denkendes Hirn haben noch nie geschadet. Insofern sehe ich die Erzieher, egal ob Eltern, Lehrer, Kindergärtner und Krippenbetreuer in ihrer Verantwortung. DANKE!

2 Antworten

  1. Auch eine Woche danach hast du es noch nicht verstanden. Aber anhand der Orthographiefehler warst du betrunken und bist darum entschuldigt.

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