Oh, diese Laufmaschen! #600geheimnisse

Laufmasche, Quelle: https://www.flickr.com/ photos/salz/8119966740/
Laufmasche, Quelle: https://www.flickr.com/ photos/salz/8119966740/

Schon wieder ziemlich lang her, dass dieser kleine Blog einige der 600 Geheimnisse verraten hatte. Jetzt, wo der Frühling ins Haus steht und die Winterstrickstrumpfhosen wieder eingemottet werden, ist es hoch an der Zeit, im „unentbehrlichen Ratgeber für jedermann“ zu blättern.

Und man wird ja ohnehin gleich zu Beginn fündig, in der Sektion „Was tut man, wenn…?“.

5. Oh, diese Laufmaschen!
Am unangenehmsten ist es, wenn wir unterwegs sind und plötzlich bemerken, dass sich eine heimtückische Laufmasche gebildet hat. Um ein Weiterlaufen der Laufmasche zu verhindern, können wir aus der Handtasche ein Stückchen Seife entnehmen, das wir, schon gegen Mückenstiche sicherwirkend, immer bei uns tragen. Nun feuchten wir es an und bestreichen die schadhafte Stelle am Strumpf damit. Die Masche läuft dann nicht weiter, sondern wird gewissermassen festgeklebt, so dass wir zu Hause den Schaden in seinen Anfängen ausbessern können.

Die Frau von gestern und heute („wir“) trägt natürlich ein Stückchen Seife mit sich, um sich gegen Mücken und anderes Getier zu wehren. Einfach mit dem Nagellack auf die Stelle tupfen, um das Loch zu zu verkleben, war damals wohl noch nicht drinnen.

Aber dass man tatsächlich Laufmaschen stopfen könnte, weiss ich auch nur mehr aus der österreichischen Popliteratur, genauer gesagt aus den Lyrics zu Herrn Prof. Dr. Kurt Ostbahns „Hasses Pflosta“, das er mit seiner Chefpartie im Jahr 1989 eingespielt hatte – ein Ostbahn-Klassiker-Album mit Gustostückerln wie dem Joker, der Arbeit oder am Schritt vire (zwa Schritt zruck). In einer „Repassierstube“ konnte man also seine Laufmaschen reparieren lassen: Mit Hilfe einer elektrischen Häkelnadel (mit Verschlusszunge) die Maschen wieder aufgenommen und befestigt, sodass die Laufmasche bis auf die Verankerung nicht mehr sichtbar war

Und damals war die Vienna noch ein Fussballverein, den man besingen konnte. Und die Türken machten noch den Kebab. Und in Wien hiess man noch Schindler, Frau Gerti, Schestak und trug Spitznamen wie Milzriss.

Und man erfuhr beim Trafikanten noch Schlagzeilen. 1989 war das. Und heute? Schlagzeilen und Trafikanten? Hihi, das klingt nach Totholzprodukten von Hoodie-Journalismus-Verachtern. 1989 war ich 12 Jahre alt und war vermutlich noch nicht pickeliger Schüler der 2. Klasse (2a, natürlich, wer wollten schon Schüler in der b-Klasse sein? Niemand, eben!) im Fürsterzbischöflichen Carolinum Augustineum, weithin bekannt als BischGym, heute heissts irgendwie anders.

Keine drei Jahre später versorgte uns unser Altgriechisch- (und Latein, aber die Lateiner waren ja der vulgäre Populus zu uns erlauchten Gräzisten) -Lehrer und damaliger Dozent für die Nachzügler an der Uni Graz, Hans Krenn, mit Email-Adressen. Weil wer Altgriechisch kann, kann auch moderne Medien und Technik. „chester@gewi.kfunigraz.ac.at“ war des jungen Schusters neue Adresse, abrufen konnte er sie mit PINE. Die Anleitung dazu ist immer noch online. Und plötzlich waren die Schlagzeilen nicht mehr nur beim Trafikanten am Eck zu erfahren, oder in der Kleinen Zeitung bei den Eltern zuhause, oder im Radio und Fernsehen des Staatsfunk ORF, weil erst 1995 das Monopol für Privatradios fiel und die Antenne Steiermark auf Sendung ging (mit Patrick Hernandez, Born to be alive). Und heute? Was heisst heute? Seit Anfang der 2000er-Jahre? Social? Twitter?

War doch ein ziemlich „hasses Pflosta“ – damals, 1989 — zitiert nach Ostbahn.at, der Plattform für Kenner und wahre Fans – weil seitdem das Espresso Rosi geschlossen ist… Ach, ihr wisst schon:

Da Fleck in da Einfahrt
Schaut aus wia eintrickats Bluat
Des woa da Müüzriß heut noch viere
Da Schindler Bua hat an Gachn kriagt
Wegen nix wegn an foischn Wuat
Da Trafikant dazöht de Schlagzeiln
Ea woa auf sein Fenstaplotz mit dabei
Da Müüzriß des woa a ka Guada
oba des Schindler-Gfraßt hod scho
Ois Gschropp mitn Flobertgwehr
Auf Taubn gschossn und auf oide Leit

Na, des Lebn is ka Spaß
Und des Pflosta is haaß
Bei mia in da Gassn

Do drübn woa amoi a Repassierstubn,
Dann da Frau Gerti ia Stricksalon
Jetzt gibt do a ewiche Studentin Stunden
In Französisch und Griechisch
Gegn Aufpreis a in an strengeren Ton
In ihrer Auslog schlogt a Herz aus rote Liachta
Oba a Herz wia des schlogt do ned lang
Da Türk obn am Eck hod a miaßn zuasperrn –
Sei Kebbab hams woin oba eam ned
Weu ea ned woa wia ma is do am Grund

Na, des Lebn is ka Spaß
Und des Pflosta is haaß
Bei mia in da Gassn

Heit fliagt da Fernseher ausn Fensta
Weu de Vienna hod scho wieda valuan
Und wann da Schestak sei Oide birnt und beidlt
Waaßt es ist Samstog und noch ana Wochn Hockn
Is endlich Zeit fian eiganan Zurn

Na, des Lebn is ka Spaß
Und des Pflosta is haaß
Bei mia in da Gassn

— — —

Und so klingt er, der Favoriten’n’Blues:

Hofrat
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