Eritrea und Syrien, Österreich – oder: der ach so witzige Einzelfall™-Rassismus

Einer der vielen bedauerlichen Einzelfälle™ und selbstverständlich nur mit einer absoluten Individualmeinung® – das ist ganz konkret ein gewisser Marcel Toeltl.

Der Präsident der SVP aus St. Margrethen SG publizierte am 25.2.2015 seine kruden Absonderungen zu Menschen aus Eritrea und Syrien bzw. deren IQ, Verhalten, Sexualtrieb und seine politischen Linien zu Sozialmissbrauch etc. Danach dauerte es noch geschlagene zwei Tage, bis aufmerksame Menschen wie Stefan Schlegel vom Think Tank Foraus und in Folge die engagierte Journalistin Luzia Tschirky eine breitere Öffentlichkeit auf diesen Wahnsinn hinwiesen.Zudem hat Petar Marjanovic auf Watson diesen Fall dargestellt und auf gegen Toeltl eingereichtet Anzeige hingewiesen, 20min folgte ebenfalls mit einer Randnotiz.

Wer sich gern in die wutbürgerlichen Verschwörungstheorien und jenseitigen Aggressionen des Herrn Toeltl einlesen will, möge dies hier tun (verlinkt über den Service „Donotlink.com„, ein Tool, das Websites, die Betrug, abstruse Theorien oder andere fragwürdige Geschäfte fördern, aus diversen Suchmaschinen und damit vom „Google-Juice“ ausschliesst); für die Nachwelt hätte ich allenfalls noch einen Screenshot in Giftschrank gespeichert.

Tant pis! – Der Helvetimus zum mittlerweile üblichen Schulterzucken <ironie> zum völlig unerwarteten bedauerlichen Einzelfall™ geht durch die von sämtlichen Mainstream-Medien abgestumpfte Bevölkerung. Doch halt, ein hehrer Vertreter der Lügenpresse schwingt sich zur Höchstform auf </ironie>: Der Bundeshausredaktor (für die p.t. nicht-helvetische Leserschaft: Hauptstadtjournalist (de), in Österreich gibt es keine Bezeichnung für jene, die sich explizit mit dem Parlament und seiner Arbeit befassen) für das Privatradio Radio 24:

Matthias Bärlocher. Der andere, bedauernswerte Einzelfall™ und auch bei ihm selbstverständlich nur eine absolute Individualmeinung®, die nichts, aber auch gar nichts mit seinem Job, seiner Funktion etc. zu tun hat. Weil es ist ja so: In der heutigen Welt, wo alles so schön schwarz und weiss, gut und böse, rechts und links, intelligent und dumm ist, hat der Vertreter der Zunft der Werbeflächenverkäufter aka Medien natürlich die Deutungshoheit, ist Experte für eh alles und weiss somit, dass sich die Toeltlsche Vorlage

„Gerade Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien, welche nachweislich einen sehr tiefen Länder IQ haben, sind in unserem Land, wirtschaftlich gesehen, fehl am Platz.“

logischerweise 1:1 verhält zur Frage

„Toeltl? Ist das ein ursprünglich österreichischer Name?
Ha.
Wieviele Österreicher braucht es, um eine Glühbirne zu wechseln?“

Was haben wir gelacht. Ein Tweet halt. Als ausgefuchster Tatsachenblogger und findiger Rechercheur auf der Suche nach knallharten Fakten musste ich mich schon auf in die Abgründe des Wikipedia-Humorarchivs (not joking – gibts wirklich!) auf die Suche nach Glühbirnenwitzen machen. Vermutlich ist es logisch zulässig, einen Analogieschluss zu vollziehen von anderen veräppelten Minderheiten bzw. Volksgruppen (Ostfriesen –> Österreicher), und damit gibt es auf diese Frage wohl drei richtig Antworten:

Antwort: „5 – Einer steht auf der Leiter und hält die Lampe, die anderen 4 drehen die Leiter.“
Antwort: „100 – Einer hält die Glühlampe fest, die anderen 99 drehen das Haus.“
Antwort: „104 – Einer steht auf dem Tisch und hält die Lampe fest, 99 drehen das Haus … und vier halten den Tisch fest, damit sich der Mann an der Lampe nicht zusammen mit dem Haus dreht!“

Nun, ich bin mir darüber im Klaren, dass ich mich als integrationswilliger Österreicher in der Schweiz natürlich über die hiesigen Ausländerwitze zu zerkugeln habe. Und dass es natürlich gesellschaftlich akzeptierte Stereotypen, Randgruppen und Minderheiten gibt, über die alle und jeder Witze reissen darf (besagte Ostfriesen bzw. Österreicher, Blondinen, Schwule, Juden – ooops!?!). Und natürlich bin ich mir auch darüber im Klaren, dass dann analog über echt dumme Witze effektiver, sichtbarer und auszumerzender Rassismus (Toeltl) verharmlost und gesellschaftsfähig gemacht wird. Und dass die Aussagekraft, die Reichweite, die Glaubwürdigkeit, die Neutralität, Ausgewogenheit, die Relevanz, kurz: dass wenn ein Journalist diese Verharmlosung von Rassismus vornimmt, es eben nicht mehr ein einfaches Fritzl-Gewitzel (Österreicherwitze, wenn wir grad dabei sind) ist.

Es ging ja gar nicht um den IQ, den Intelligenzquotient: Also ob der etwas aussagen würde, vor allem im Zusammenhang mit Herkunft. Völliger Bullshit! Es geht auch nicht um Wehleidigkeit und Alarmismus, bei jedem vermeintlichen Tabubruch (dem Wesensmerkmal eines Witzes – Lutz Röhrich) oder bei jedem anarchischen Lachen die Ventilfunktionen des Witzes mit der grossen Keule zu stopfen (erm, ja, falsche Metapher, ich weiss).

Aber es geht um Rassismus, darum, ihn möglichst früh zu erkennen, ihn bloss zu stellen und die Deutungshoheit über ihn nicht zu verwässern und zu verharmlosen. Und um die Tatsache, dass gerade ein Gatekeeper der Information aus dem Zentrum des Schweizer Politikbetriebs („Journalist, Bundeshausredaktor“) solches tut – im Kleinen, nur ein Tweet – aber hey, remember Justine Sacco? (New York Times: „How One Stupid Tweet Blew Up Justine Sacco’s Life„), oder ein bisschen näher, gerade in der Schweiz – wie war das nochmal mit der „Kristallnacht für Moscheen“? Aber hey – ein weiterer Einzelfall™, zufällig auch aus der SVP, von den unverbesserlichen Bösen…

Wie weit sind nun die Herren Bärlocher und Toeltl voneinander entfernt? Fragen über Fragen…

Matthias Bärlocher Toeltl ÖsterreicherScreenshot des besagten Tweets von mir, erstellt am 27.2.2015, 22.55 Uhr.

Kleines PS: Der beste Österreicherwitz?

Wieviele Österreicherwitze gibt es? – Keinen einzigen! Sind alles Tatsachen.

Hofrat
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