Über Maschinen und Menschen: «Digital Shaper 2020: Infrastructure Builder»

Jetzt ist schon wieder was passiert – treue Leserinnen und Leser österreichischer Krimis wissen, was das bedeutete: Autor Wolf Haas brachte einen neuen Roman zu Papier, Simon Brenner ermittelte, und kurz darauf kam eine brillante Inszenierung mit Josef Hader in die Kinos. Dieser kleine Satz macht sofort die grosse Bühne auf in Raum und Zeit.

Jetzt ist mir was passiert – nicht schon wieder, sondern zum ersten Mal erlebe ich eine Auszeichnung. Ich freue mich ungemein darüber. Eine 12-köpfige Fachjury hat mich zum Digital Shaper 2020 im Bereich der “Infrastructure Builders” ernannt, als jemand, der die Rahmen­bedingungen für die Digitalisierung sicherstellt: die Infrastruktur, die juristischen bzw. politischen Spielregeln, die Daten selbst und natürlich der grosse Bereich der Sicherheit. Als die Liste gestern veröffentlicht wurde, und ich sah, neben wem ich sonst noch ausgezeichnet wurde, war ich voll Demut und Dankbarkeit.

Screenshot https://www.handelszeitung.ch/bilanz/infrastructure-builders

Denn Preise und Auszeichnungen sind ja auch immer so eine Sache: Man wird wohl nicht ganz falsch liegen, dass da eine Hand oft die andere wäscht, wenn man sich etwa die Szene der Agentur-, Werbe- und Journalisten-Preise ansieht. Die wahren Schafferinnen und Schaffer stehen dann auch selten auf der Bühne. Und überhaupt: Gerade zu digitalen Zeiten ist das Konzept von Universalgenies, den lonely wolves und alles bestimmenden Patrons zum grössten Teil eine entlarvte Illusion. Bei genauerer Betrachtung repräsentieren sie am Ende alle eine Vielzahl von Kunden, Mitarbeitenden, Unterstützern, Fans, Freunden.

Und damit weiss ich auch, dass diese Auszeichnung zuallererst eine ist, die mein Team mit mir teilt. Ohne meinen Mitgründer Thomas Gemperle wären wir Anfang 2017 nie auf die Idee zu sprechen gekommen, als er mich fragte: «Hey, Clemens, ich hätte da eine coole Domain in meiner Sammlung. Fällt dir etwas ein, das wir unter politik.ch machen könnten?»

Und ob – wir starteten unser gemeinsames Projekt, merkten die Substanz, entschieden uns im Frühling 2017, einen Entwickler einzustellen, um für ein halbes Jahr aus einem Prototypen ein MVP, ein marktfertiges Grundprodukt herzustellen. Per Stand heute, 1. Oktober 2020, bieten wir soeben unserem zehnten Teammitglied einen Arbeitsvertrag angeboten. Unser Team ist divers, international, multisprachlich, Expertinnen und Experten in den Bereichen Backend- und Frontend-Entwicklung, UX Design, Testing, Kommunikation, Marketing, Sales – aus dem Startup hat sich binnen kurzem ein robustes Unternehmen mit über 30 Organisationen und über 300 Benutzerinnen und Benutzern entwickelt. Dazu vertrauen wir auf eine internationale Community im Civictech, Legaltech, Govtech bzw. Open-Data-Bereich, von Tel Aviv bis Guatemala, von Brüssel, Wien und Washington und natürlich der Schweiz. Ihnen, euch, uns allen gehört diese Auszeichnung.

«Man muss Maschinen tun lassen, was Maschinen gut können.
Und Menschen, was Menschen gut können.»

Clemens M. Schuster zur Frage der Anwendung nach Künstlicher Intelligenz, Machine Learning und Big Data

Aber ja, ich freue mich ungemein, dass mein und unser Weitblick wahrgenommen wird und sich in wirtschaftlichem Erfolg niederschlägt, aber auch in der Wahrnehmung desselben. Mein Zugang ist seit jeher ein optimistischer, idealistischer, innovationsgetriebener. Oft genug bin ich damit gescheitert, angerannt, verzweifelt, bei und mit ehemaligen Geschäftspartnern und Kunden, Mitbewerbern und Teammitgliedern. Viel zu weit gedacht, viel zu schnell, viel zu viel Veränderung in viel zu kurzer Zeit. Vielleicht habe ich hier gelernt und bin nun auch genau dafür ausgezeichnet, neben einer Vision für ein digitales Zusammenleben auch über die Energie und Kraft zu verfügen, die ganz dicken Bretter zu bohren, nämlich die Grundlagen zu verändern. Genau das sagt es aus, als “Infrastructure Builder” ausgezeichnet zu sein. Ich bin stolz, begeistert, motiviert.

Damit verbinde ich auch einen Auftrag: Weniger, weitere Preise einzuheimsen (aber hey, ich hab ja nun total aktuelle Fotos und sogar mein Profilbild nach 13 Jahren auch mal erneuert, ich wär also ready für weitere Lorbeeren), viel mehr weiterzuarbeiten, mein Unternehmen weiterhin nachhaltig aufzustellen und zu betreiben, neben der Schweiz weitere Länder und Institutionen auf dieselbe Art zu erfassen: Daten, Strukturen, Prozesse – automatisieren, selbstlernend, mit ein bisschen künstlicher Intelligenz, aber jeder Menge menschlichem Brain und Fleiss.

Wie ihr mich und uns darin unterstützen könnt? Werdet Kunde bei politik.ch. Erzählt es in eurem Freundes- und Bekanntenkreis, was mittlerweile möglich ist. Gebt mir Formate, in denen ich darüber sprechen, schreiben, diskutieren kann, wie sich digitale Entwicklung zum Wohl unserer Demokratie, unserer Gesellschaft einsetzen lässt.

Oder seid einfach nur da und freut euch jetzt mit mir und uns.

Hofrat
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